Black Tea Motorbikes hat Bonfire und Wildfire über mehrere Jahre kontinuierlich weiterentwickelt. Dabei sind Modellbezeichnungen, Baujahre und technische Generationen nicht immer deckungsgleich. Manche Namen wurden nur während der Entwicklung verwendet, andere angekündigte Varianten kamen nie auf den Markt.
Bonfire
Erste Generation / frühe Bonfire (2021–2022)
Die ersten Bonfire entstanden aus der frühen Crowdfunding- und Kickstarter-Phase von Black Tea Motorbikes. Bereits 2021 tauchen in den Herstellerinformationen unterschiedliche Leistungsvarianten auf. Daraus entwickelte sich die klassische Modellfamilie Bonfire S, Bonfire E und Bonfire X.
Die Modellbezeichnungen standen dabei nicht nur für unterschiedliche Ausstattung. Insbesondere die Bonfire X unterschied sich technisch deutlich von den schwächeren Varianten. Während S und E das niedrigere Spannungssystem verwendeten, arbeitete die X mit zwei in Serie geschalteten Akkus und damit mit einer deutlich höheren Systemspannung.
Bonfire S
Die Bonfire S bildete die schwächere bzw. stärker auf die 125er-Einstiegsklasse ausgerichtete Variante der ursprünglichen Bonfire-Plattform. Viele Komponenten von Rahmen, Fahrwerk und Karosserie wurden mit den anderen Bonfire-Modellen geteilt.
Bonfire E
Die Bonfire E wurde Anfang 2022 als zusätzliche Leistungsstufe zwischen S und X eingeführt. Sie blieb technisch näher an der S als an der X und verwendete ebenfalls das niedrigere Spannungssystem.
Bonfire X
Die Bonfire X war die leistungsstärkste Variante der frühen Modellfamilie. Wesentlicher Unterschied war das Hochvolt-Antriebssystem mit zwei in Serie geschalteten Akkus. Ein vollständig geladener einzelner Akku erreicht 58,8 V, beide Akkus zusammen entsprechend 117,6 V.
Die X erhielt außerdem gegenüber den schwächeren frühen Bonfire-Versionen unter anderem eine größere Vorderradbremse. In frühen Herstellerinformationen werden beispielsweise 265 mm für die X gegenüber 220 mm bei der ursprünglichen Bonfire genannt. Auch CBS gehörte zum technischen Konzept der X.
Weiterentwicklung von S, E und X (2022–2024)
Für die Jahre 2023 und 2024 lässt sich aus den Herstellerinformationen keine sauber abgegrenzte neue Modellgeneration ableiten. Black Tea entwickelte die bestehenden Modelle vielmehr laufend weiter.
Zu den im Laufe dieser Zeit eingeführten bzw. angebotenen Änderungen und Nachrüstungen gehörten unter anderem Keyless-/Alarmfunktionen, USB-Lademöglichkeiten und ein XLR-Ladeanschluss. Black Tea verfolgte ausdrücklich den Ansatz, Verbesserungen nach Möglichkeit auch für bereits ausgelieferte Motorräder als Retrofit anzubieten.
Dadurch können sich zwei Motorräder mit derselben Modellbezeichnung je nach Produktionszeitpunkt und nachträglich eingebauten Upgrades unterscheiden. Für Ersatzteile und technische Anleitungen ist daher häufig nicht nur die Bezeichnung S, E oder X, sondern auch der konkrete technische Stand des Motorrads relevant.
Nicht realisierte Entwicklungsvarianten
2023 und Anfang 2024 kündigte Black Tea mehrere weitere Varianten an. Dazu gehörten Long-Range-Versionen von Bonfire-Modellen sowie eine besonders leistungsstarke Bonfire Y. Die Planungen wurden mehrfach verändert; unter anderem wurden Long-Range-Versionen von S und E wegen geringer Nachfrage und eine stärkere Long-Range-X wegen thermischer Grenzen wieder verworfen.
Auch die Bonfire Y wurde nicht als reguläres Serienmodell verkauft. Teile der dafür entwickelten Konzepte flossen jedoch in spätere Motorräder ein. Insbesondere die Entwicklung der leistungsstärkeren Bonfire und der neuen Wildfire hängt mit dieser Entwicklungsphase zusammen.
Bonfire Standard und Bonfire Performance (ab 2024)
2024 vereinfachte Black Tea die zuvor zunehmend unübersichtlichen Modellbezeichnungen. Für die leistungsstärkere Weiterentwicklung der Bonfire wurden nun die Bezeichnungen Bonfire Standard und Bonfire Performance verwendet. Diese Modelle wurden tatsächlich gebaut und verkauft und sind daher als eigene Modellvarianten relevant.
Die neue leistungsstärkere Bonfire-Generation übernahm technische Entwicklungen aus der zuvor geplanten Bonfire Y und teilte Teile des Antriebskonzepts mit der parallel entwickelten Wildfire.
| Modell | Wesentlicher Unterschied |
|---|---|
| Bonfire Standard | Leistungsstarke Bonfire-Generation mit schwächerer Controller-/Leistungskonfiguration |
| Bonfire Performance | Stärkere Controller-/Leistungskonfiguration und auf höhere Leistung ausgelegtes thermisches Konzept |
In einer Herstellerinformation vom Mai 2024 wurden beispielsweise ein 300-A-Controller für die Standard- und ein 500-A-Controller für die Performance-Variante genannt. Spätere Herstellerinformationen unterscheiden bei den zulässigen Controller-Einstellungen ebenfalls ausdrücklich zwischen Bonfire X/Standard und Bonfire Performance.
Facelift 2025
2025 erhielten Bonfire-Modelle ein Facelift. Besonders sichtbar waren ein neues TFT-Display mit Apple CarPlay/Android Auto, ein neuer Scheinwerfer und NFC als zusätzliche Möglichkeit zum Entsperren bzw. Starten des Motorrads.
Je nach Produktionsstand kamen außerdem Änderungen an Controller, Elektronik und Software hinzu. Black Tea bezeichnete diese Motorräder ausdrücklich als Faceliftmodelle aus 2025. Das ist wichtig, weil einige später mit „2026“ assoziierte Ausstattungsmerkmale tatsächlich bereits mit dem Facelift 2025 eingeführt wurden.
Bonfire 2026
Für 2026 wurde die Bonfire stärker überarbeitet als bei den vorherigen laufenden Modellpflegen. Im Frühjahr 2026 befanden sich entsprechende Motorräder bereits im Bau bzw. wurden von Black Tea als Bonfire 2026 angeboten. Die weitere Umsetzung wurde jedoch durch die wirtschaftlichen Probleme und das spätere Insolvenzverfahren des Herstellers beendet.
Zu den für die 2026er Bonfire dokumentierten Änderungen gehörten insbesondere eine überarbeitete Batteriebox und ein neues Akkukonzept. Statt des bisherigen Bonfire-Konzepts sollte ein einzelner größerer Akku verwendet werden. Dieser sollte technisch stärker mit dem Akkukonzept der Wildfire vereinheitlicht werden.
Für den neuen Akku wurden 6,6 kWh Bruttokapazität und ungefähr 5,5 kWh nutzbare Kapazität angekündigt. Die endgültige neue Akkugeneration verzögerte sich allerdings. Im Frühjahr 2026 wurde deshalb auch erwogen, bereits produzierte Fahrzeuge vorübergehend mit vorhandenen älteren Akkus auszuliefern.
Weitere Änderungen bzw. Optionen umfassten neue Seitenteile, einen überarbeiteten Seitenständer, einen optionalen Storage Tank sowie einen geplanten 2-kW-Charge-Tank für das Laden über Typ 2. Display, Scheinwerfer und NFC waren dagegen keine eigentlichen 2026er Neuerungen, sondern bereits Bestandteil des Facelifts 2025.
ABS wurde für die weitere Bonfire-/Wildfire-Entwicklung angekündigt, aber vor dem Ende des Unternehmens nicht mehr als reguläre Serienausstattung umgesetzt. Es sollte daher nicht als Merkmal einer tatsächlich ausgelieferten Bonfire-Modellreihe geführt werden.
Wildfire
Entwicklung und Prototypen 2024
Die Wildfire wurde 2024 in mehreren Entwicklungsstufen öffentlich gezeigt. Diese Motorräder waren Prototypen und sollten nicht als Modellreihe „Wildfire 2024“ betrachtet werden.
Während der Entwicklung änderten sich wesentliche technische Entscheidungen. Zwischenzeitlich war beispielsweise nur ein Akku vorgesehen; die spätere Serienversion konnte wieder mit zwei Akkus betrieben werden. Auch andere Komponenten und technische Daten der Prototypen wurden bis zur Serie verändert.
Die Wildfire übernahm dabei teilweise Entwicklungsarbeit aus den zuvor geplanten leistungsstarken Bonfire-Varianten. Die nie regulär verkaufte Bonfire Y kann daher als Teil der Entwicklungsgeschichte betrachtet werden, nicht jedoch als Vorgängermodell, das Besitzer tatsächlich eindeutig zwischen Bonfire und Wildfire einordnen müssten.
Wildfire 2025 – erste Seriengeneration
Die Wildfire 2025 ist die erste tatsächlich ausgelieferte Seriengeneration der Wildfire. Ende 2024 liefen Zulassung und Produktionsvorbereitung; Anfang 2025 wurden die ersten Kundenfahrzeuge ausgeliefert.
Die Wildfire verwendet ein 96-V-Antriebssystem mit Radnabenmotor und FarDriver-Controller. Sie konnte mit einem oder zwei herausnehmbaren Akkus betrieben werden. Anders als bei der älteren Bonfire X werden die beiden Akkus dabei nicht einfach als seriell verschaltetes Akkupaar behandelt, sondern gehören zu einem neueren Gesamtsystem.
Je nach Produktionszeitpunkt und Bestellung wurden unterschiedliche Akkukonfigurationen, Controller und integrierte Ladegeräte eingesetzt. Deshalb ist auch innerhalb des Modelljahrs 2025 der konkrete Produktionsstand relevant.
Ein erhaltenes Black-Tea-Dokument zur FarDriver-Konfiguration vom Juli 2025 gilt ausdrücklich für alle Wildfires, die bis Ende August 2025 ausgeliefert wurden. Auch daran lässt sich erkennen, dass spätere Fahrzeuge technisch teilweise anders behandelt werden müssen.
Wildfire Facelift 2025
Im Laufe des Jahres 2025 führte Black Tea ein deutlich erkennbares Facelift ein. Dazu gehörten insbesondere:
- neues TFT-Display mit Apple CarPlay und Android Auto,
- neuer Scheinwerfer,
- NFC,
- Änderungen an Controller, Elektronik und Kommunikation bei entsprechend ausgestatteten Fahrzeugen sowie
- weitere Detailverbesserungen.
Black Tea unterschied Ende 2025 ausdrücklich zwischen diesen Faceliftmodellen aus 2025 und der folgenden Modellgeneration 2026. Für technische Anleitungen und Ersatzteile ist diese Unterscheidung teilweise wichtiger als das reine Kalenderjahr.
Wildfire 2026
Die Wildfire 2026 war als größere technische Überarbeitung vorgesehen und befand sich 2026 bereits in Produktion. Durch die spätere Insolvenz von Black Tea wurde die geplante Modellgeneration jedoch nicht mehr in dem ursprünglich vorgesehenen Umfang umgesetzt.
Zu den dokumentierten Änderungen gehörten unter anderem ein überarbeitetes Fahrwerk und strukturelle Komponenten. Black Tea zeigte bzw. beschrieb eine neue bzw. steifere Gabelbrücke, eine CNC-gefertigte Schwinge, eine CNC-Vorderradnabe, stärkere Achsen und Änderungen an der Gabel.
Auch das Akkusystem sollte überarbeitet werden. Für die endgültige 2026er Akkugeneration waren neue Zellen vorgesehen; Black Tea sprach dabei von Samsung-Zellen anstelle der zuvor verwendeten BAK-Zellen. Genannt wurden ungefähr 6,6 kWh Brutto- und 5,5 kWh nutzbare Kapazität pro Akku sowie eine gegenüber den bisherigen Akkus etwas höhere Kapazität und bessere Voraussetzungen für hohe Ladeleistungen.
Parallel dazu waren unterschiedliche Onboard-Lader mit höheren Ladeleistungen vorgesehen. Die Konstruktion rund um die Ladegeräte sollte gegenüber frühen Wildfires thermisch verbessert werden.
Die neuen Akkus verzögerten sich jedoch. Deshalb muss bei tatsächlich existierenden Fahrzeugen aus dieser Übergangszeit geprüft werden, welche Akkus und Komponenten konkret verbaut wurden. Eine angekündigte 2026er Spezifikation ist nicht automatisch die Ausstattung jedes tatsächlich gebauten Motorrads.
Eine ABS-Version der Wildfire wurde angekündigt und sollte später 2026 folgen. Sie wurde vor dem Ende des Unternehmens nicht mehr regulär umgesetzt. Tatsächlich existierende 2026er Fahrzeuge sollten deshalb nicht allein aufgrund der damaligen Ankündigungen als „Wildfire 2026 ABS“ eingeordnet werden.
Übersicht der relevanten Modellreihen
| Zeitraum | Modell / Generation | Einordnung |
|---|---|---|
| 2021–2022 | frühe Bonfire / Bonfire S, E und X | Erste Seriengeneration und klassische Bonfire-Modellfamilie |
| 2022–2024 | Bonfire S / E / X | Laufend weiterentwickelt; keine klar belegte jährliche S23/S24-Generation |
| ab 2024 | Bonfire Standard / Performance | Tatsächlich gebaute leistungsstärkere Weiterentwicklung |
| 2025 | Bonfire Facelift | Unter anderem neues Display, Scheinwerfer und NFC |
| 2026 | Bonfire 2026 | Größere Überarbeitung; Umsetzung durch Ende des Unternehmens nicht vollständig abgeschlossen |
| 2024 | Wildfire Prototypen | Entwicklungsfahrzeuge, keine eigene Serienmodellreihe |
| 2025 | Wildfire | Erste Seriengeneration |
| 2025 | Wildfire Facelift | Überarbeiteter 2025er Produktionsstand |
| 2026 | Wildfire 2026 | Größere technische Überarbeitung; nur teilweise wie ursprünglich angekündigt umgesetzt |
Warum das Baujahr allein nicht ausreicht
Black Tea hat viele Änderungen während einer laufenden Modellreihe eingeführt und teilweise auch als Retrofit für ältere Fahrzeuge angeboten. Gleichzeitig wurden geplante Modellnamen und Spezifikationen mehrfach geändert. Ein Motorrad lässt sich deshalb technisch nicht immer zuverlässig allein anhand von „Bonfire 2024“ oder „Wildfire 2025“ bestimmen.
Bei Ersatzteilen, Softwareeinstellungen und technischen Anleitungen sollten nach Möglichkeit zusätzlich Modellbezeichnung, Produktionszeitraum und die tatsächlich verbauten Komponenten berücksichtigt werden. Besonders relevant können Akku, Controller, Motor, Display, Ladegerät und einzelne Fahrwerkskomponenten sein.
Hinweis zur Quellenlage: Diese Übersicht rekonstruiert die Modellgeschichte hauptsächlich aus den zeitgenössischen Herstellerinformationen von Black Tea Motorbikes. Gerade bei den letzten Modellständen 2026 unterscheiden sich angekündigte Spezifikationen teilweise von dem, was vor dem Ende des Unternehmens tatsächlich noch produziert oder ausgeliefert wurde.