Hintere Federung der Wildfire einstellen

Die hinteren Federbeine der Wildfire erlauben die Einstellung von Federvorspannung und Zugstufe. Beide Federbeine sollten links und rechts immer gleich eingestellt werden.

Die richtige Einstellung hängt unter anderem von Fahrergewicht, Zuladung und persönlichem Fahrgefühl ab. Statt einzelne Einstellungen anderer Fahrer zu übernehmen, empfiehlt es sich, von einer dokumentierten Ausgangseinstellung auszugehen und das Fahrwerk schrittweise anzupassen.

Begriffe: Was wird eingestellt?

Federvorspannung

Die Federvorspannung bestimmt, wie weit das Motorrad unter seinem eigenen Gewicht und mit Fahrer in den verfügbaren Federweg einsinkt.

Mehr Vorspannung macht die Feder nicht härter. Die Federrate bleibt unverändert. Das Heck steht jedoch höher im Federweg und sinkt bei gleicher Belastung weniger weit ein.

Der Dämpfer selbst wird dadurch nicht eingefahren. Seine beiden mechanischen Endanschläge bleiben an derselben Stelle. Deshalb bleibt auch sein verfügbarer Hub grundsätzlich erhalten.

Die Federvorspannung ist die eingestellte mechanische Größe. Sag / Negativfederweg sind die daraus resultierenden Messwerte am Motorrad.

Zugstufe (Rebound)

Die Zugstufendämpfung bestimmt, wie schnell das Federbein nach einer Kompression wieder ausfedert. Sie wird an den Reglern unten an den beiden Federbeinen zwischen Fast und Slow eingestellt.

  • Richtung Fast: Das Federbein kann schneller ausfedern.
  • Richtung Slow: Das Ausfedern wird stärker gedämpft und erfolgt langsamer.

1. Bestehende Einstellung dokumentieren

Vor jeder Änderung sollte die bisherige Einstellung notiert werden. So kann jederzeit zum Ausgangszustand zurückgekehrt werden.

Federvorspannung

An beiden Federbeinen die Position des verstellbaren Federtellers messen. Als einfacher Bezug eignet sich beispielsweise die sichtbare Gewindelänge oberhalb des Federtellers.

Beispiel: links 24 mm / rechts 24 mm

Beide Seiten sollten gleich eingestellt sein. Nach einer Veränderung der Vorspannung deshalb erneut links und rechts messen.

Zugstufe

Die Zugstufenregler vorsichtig Richtung Slow drehen und dabei die Klicks bis zum Anschlag zählen. Nicht mit Kraft gegen den Anschlag drehen. Anschließend exakt dieselbe Anzahl Klicks wieder zurückdrehen.

Die Einstellung kann dann beispielsweise als 11 Klicks von Slow dokumentiert werden. Auch hier müssen beide Federbeine gleich eingestellt sein.

2. Federvorspannung über den Negativfederweg einstellen

Die Vorspannung lässt sich sinnvoller über das tatsächliche Einsinken des Motorrads als über eine bestimmte Gewindelänge einstellen. Dieser sogenannte Negativfederweg (Sag) wird mit Fahrer in normaler Fahrposition gemessen.

Sag messen

  1. Hinterradfederung vollständig entlasten (aufbocken/anheben). Zwischen Hinterachse und einem gut reproduzierbaren festen Punkt am Heck messen und Wert als L1 notieren.
  2. Motorrad auf die Räder stellen, ohne Fahrer. Am gleichen Punkt erneut messen: L2.
  3. Fahrer mit üblicher Motorradbekleidung und gegebenenfalls typischer Zuladung in normaler Fahrposition auf das Motorrad setzen. Eine zweite Person misst erneut: L3.

Statischer Negativfederweg: L1 − L2
Negativfederweg mit Fahrer (“Rider Sag”): L1 − L3

Als allgemeiner Ausgangspunkt für ein Straßenmotorrad kann ein Rider Sag von ungefähr 30 % des verfügbaren Hinterradfederwegs verwendet werden. Ein spezifischer Sollwert von BTM für die Wildfire ist nicht dokumentiert.

Sinkt das Heck mit Fahrer zu weit ein, wird die Vorspannung erhöht. Sinkt es zu wenig ein, wird die Vorspannung reduziert. Anschließend erneut messen.

Wichtig: Muss für einen passenden Negativfederweg extrem viel oder extrem wenig Vorspannung eingestellt werden, kann die Federrate für Fahrer und Zuladung ungeeignet sein. Eine andere Vorspannung ersetzt keine passend dimensionierte Feder.

3. Zugstufe einstellen

Nach der Grundeinstellung der Federvorspannung kann die Zugstufe abgestimmt werden. Dafür möglichst immer dieselbe bekannte Strecke verwenden und nur eine Einstellung gleichzeitig verändern.

Wenn keine brauchbare Ausgangseinstellung vorhanden ist, kann zunächst ungefähr in der Mitte des verfügbaren Einstellbereichs begonnen werden. Im Forum wurden bei den Wildfire-Federbeinen etwa 24 Klicks Gesamtbereich genannt; einzelne Fahrer landeten nach Versuchen ebenfalls im mittleren Bereich. Dies ist keine dokumentierte BTM-Werkseinstellung, sondern lediglich ein möglicher Ausgangspunkt.

Die Einstellung anschließend in kleinen Schritten – beispielsweise zwei Klicks gleichzeitig an beiden Federbeinen – verändern und das Fahrverhalten vergleichen.

BeobachtungMögliche Anpassung
Heck federt nach einer Bodenwelle mehrfach nach oder wirkt „pogoartig“Mehr Zugstufendämpfung → Richtung Slow
Heck wirkt bei höherer Geschwindigkeit nervös oder schwammigTestweise mehr Zugstufendämpfung → Richtung Slow
Hinterrad folgt kurzen, schnell aufeinanderfolgenden Unebenheiten schlechtWeniger Zugstufendämpfung → Richtung Fast
Heck sinkt bei mehreren Bodenwellen zunehmend in den Federweg („Packing“)Zugstufe zu langsam → Richtung Fast

Besonderheit der Wildfire: schwerer Radnabenmotor

Bei der Wildfire sitzt der Elektromotor direkt im Hinterrad und gehört damit zur ungefederten Masse. Diese ist dadurch deutlich höher als bei einem Motorrad, dessen Motor und Antrieb überwiegend am gefederten Fahrzeugrahmen sitzen.

BTM empfiehlt deshalb grundsätzlich eine eher schnelle Zugstufe: Nach einer Unebenheit soll das schwere Hinterrad schnell genug wieder ausfedern und der Fahrbahn folgen können.

Eine möglichst schnelle Einstellung ist jedoch nicht automatisch optimal. Wildfire-Fahrer berichteten auch von einem nervösen bzw. schwammigen Heck bei sehr weit Richtung Fast eingestellter Zugstufe. Einige Klicks Richtung Slow verbesserten in diesen Fällen das Fahrverhalten.

Gesucht wird daher ein Kompromiss: ausreichend Dämpfung, damit das Heck nicht unnötig nachschwingt, aber eine ausreichend schnelle Rückbewegung, damit das schwere Hinterrad Unebenheiten gut folgen kann.

Fahren mit höherer Zuladung

Bei deutlich höherem Fahrergewicht, Gepäck oder Soziusbetrieb muss die Federvorspannung entsprechend angepasst werden. BTM nennt als grobe Orientierung bei höherer Belastung etwa 1–2 cm zusätzliche Vorspannung. Besser ist jedoch die Kontrolle über den tatsächlich gemessenen Negativfederweg.

Nach einer größeren Änderung der Vorspannung sollte auch das Verhalten der Zugstufe erneut beurteilt werden. Beide hinteren Federbeine müssen bei allen Einstellungen links und rechts identisch eingestellt bleiben.

Typische Symptome und mögliche Anpassungen

Das Fahrverhalten kann helfen, eine unpassende Einstellung zu erkennen. Die folgenden Symptome sind jedoch nicht immer eindeutig einer einzelnen Einstellung zuzuordnen. Deshalb immer nur eine Einstellung gleichzeitig und in kleinen Schritten verändern.

BeobachtungMögliche Ursache / Prüfung
Federung schlägt bei größeren Bodenwellen durchZuerst Rider Sag prüfen. Zu großer Sag bedeutet zu wenig Einfederreserve → Vorspannung erhöhen. Passt der Sag bereits, können Feder bzw. verfügbarer Federweg für Belastung und Unebenheit an ihre Grenze kommen.
Durchschlagen bei mehreren schnell aufeinanderfolgenden UnebenheitenZusätzlich Zugstufe prüfen. Ist sie zu langsam, kann das Federbein zwischen den Schlägen nicht ausreichend ausfedern („Packing“) → etwas Richtung Fast testen.
Heck federt nach einer Bodenwelle mehrfach nachMöglicherweise zu wenig Zugstufendämpfung → schrittweise Richtung Slow testen.
Heck wirkt bei höherem Tempo nervös oder schwammigBei Wildfire-Fahrern wurde dies bei sehr schneller Zugstufeneinstellung beobachtet. Einige Klicks Richtung Slow verbesserten das Verhalten.
Hinterrad scheint nach einer Bodenwelle oder Kuppe „abzuheben“ bzw. der Fahrbahn schlecht zu folgenZu langsames Ausfedern ist eine mögliche Ursache → Zugstufe versuchsweise etwas Richtung Fast. Auch zu viel Vorspannung bzw. zu wenig Negativfederweg prüfen.
Motorrad sinkt mit Fahrer sehr weit einRider Sag messen → gegebenenfalls Vorspannung erhöhen. Ist dafür sehr viel Vorspannung erforderlich, kann die Feder für die Belastung zu weich sein.
Motorrad sinkt mit Fahrer kaum einZu wenig Negativfederweg → Vorspannung reduzieren. Bleibt der Sag trotzdem gering, kann die Feder für die Belastung zu hart sein.

Kurzfassung

  1. Bestehende Vorspannung und Zugstufenklicks dokumentieren.
  2. Federvorspannung links und rechts identisch einstellen.
  3. Negativfederweg mit Fahrer messen und Vorspannung entsprechend korrigieren.
  4. Zugstufe zunächst auf einen neutralen Ausgangswert stellen.
  5. Auf einer bekannten Strecke testen.
  6. Immer nur in kleinen Schritten und auf beiden Seiten gleich verändern.
  7. Nachschwingendes oder nervöses Heck → eher Richtung Slow.
  8. Schlechtes Folgen schneller Unebenheiten bzw. „Packing“ → eher Richtung Fast.

Schreibe einen Kommentar